Vorsitzender des Kreisschützenverbandes

Willi Holst, seit 1963 Mitglied in der Schützenkameradschaft Mustin und von 1994 bis 2009 deren Oberst.
Willi Holst ist seit 1963 Mitglied bei den Mustiner Schützen und seit März 2006 Vorsitzender des Kreisschützenverbandes. LN-Redakteurin Silke Geercken sprach mit dem obersten Schützen im Kreisgebiet über die Zukunft des Schützenwesens, den Versuch, Jugendliche für den Traditionssport zu gewinnen und Frauenleasing
LN: Wie viele Mitglieder hat der Kreisschützenverband, wie groß ist der Anteil der Jugendlichen?
Willi: Es gibt 31 Vereine mit 3692 Mitgliedern, darunter 325 Jugendliche unter 18 Jahren. Das ist viel zu wenig.
LN: Denken Sie über Möglichkeiten nach, Jugendliche stärker einzubinden?
Willi: Natürlich. Das Problem ist, Jugendleiter zu finden, die die Jugendlichen mitreißen können. Wir möchten junge Leiter haben, fördern deshalb die vierwöchige Ausbildung.
LN: Mit dem Schießen allein lockt man wohl keine Jugendlichen mehr an?
Willi: Das haben wir auch schon gemerkt. Deshalb wollen wir unser Angebot ausdehnen und neue Wege gehen, zum Beispiel durch Sommer-Biathlon oder Schießen mit dem Lichtpunktgewehr. Da können auch schon Kinder ab zehn Jahren mitmachen. Auch Bogenschießen wird in einigen Vereinen zusätzlich angeboten.
LN: Ist es nicht unzeitgemäß, Uniformen zu tragen? Vielleicht schreckt das manchen Jugendlichen ab?
Willi: Das glaube ich nicht. Die Jungschützen tragen ja nur Hemden oder Blusen, und wer neu eintritt, ist immer ganz scharf darauf, auch schnell die Schulterstücke fürs Hemd zu bekommen und damit Zugehörigkeit zu demonstrieren.
LN: Ist es vielleicht auch ein finanzieller Aspekt, der die Mitglieder abschreckt?
Willi: Ganz billig ist der Schießsport nicht. Die Mitgliedschaft kostet jährlich um die 100 Euro, Jugendliche zahlen allerdings in den meisten Vereinen keinen Beitrag. Dazu kommt das Gewehr. Ein Kleinkalibergewehr kostet rund 2000 Euro, außerdem muss seit vergangenem Jahr ein Waffenschrank vorgehalten werden.
LN: Wie sind Sie zum Schießsport gekommen, und was fasziniert Sie daran?
Willi: Ich bin seit 41 Jahren Jäger, wurde damals von Freunden angesprochen. Heute begeistern mich Kameradschaft und Geselligkeit und natürlich der Nervenkitzel beim Schießen, wozu ich zur Zeit allerdings kaum komme.
LN: Früher war der Schießsport eine Domäne der Herren. Sind Damen inzwischen erwünscht?
Willi: Das wird in den Vereinen des Kreises unterschiedlich gehandhabt. Gülzow hat mit 80 Mitgliedern die größte Damenabteilung im Kreis, aber es gibt auch immer noch fünf Vereine ohne Damenabteilung.
LN: Was kostet ein Königsjahr? Ist der finanzielle Aspekt nicht auch ein Grund für viele Schützen, die Königsscheibe nicht zu treffen?
Willi: Bei den städtischen Vereinen kommt schon eine größere Summe zusammen, die kleineren helfen sich untereinander. Da muss nicht alles der König bezahlen, aber 3000 bis 4000 Euro sind es schon.
LN: Früher hieß es, dass Schützen gern einen trinken. Ist das immer noch so oder überwiegt der sportliche Aspekt?
Willi: Bei den Schützenvereinen gibt es zwei Kategorien. Bei manchen geht es in erster Linie um das Schießen, andere pflegen das Brauchtum, das heißt Bier und Korn.
LN: Jetzt beginnt die Zeit der Schützenfeste. Wie werden die eigentlich finanziert?
Willi: Auch das wird zunehmend zum Problem. Spenden, Disco und Tombola bringen Geld in die Kasse, aber das Festzelt ist sehr teuer. In Mustin wird deshalb künftig in einer Halle eines Landwirts gefeiert. Nusse baut gerade eine Terrasse am Schießstand, wird dort wohl eine Zeltlösung suchen.
LN: Nun gibt es immer mehr Singles. Wie löst seine Majestät das Problem mit der Königin?
Willi: Bei uns im Verein werden Königinnen geleast. Meine Frau hat in diesem Jahr unseren amtierenden König Reiner Raygrotzki durchs Königsjahr begleitet.
LN: Handelt es sich dabei um Teil- oder Vollleasing?
Willi: Kein Kommentar.